Technische Grundlagen der Oboe

Für jeden Oboisten, egal ob Profi, Student oder Laienmusiker stellt sich irgendwann unweigerlich die Frage „Wie/Was übe ich am besten“? Diese Frage ist, so einfach sie auch zu sein scheint, nur schwer zu beantworten; lernt doch jeder Mensch nach anderen Mustern und Prinzipien: was für den einen funktioniert, scheint noch lange nicht auf einen anderen Menschen übertragbar zu sein. Das bedeutet, dass jeder Mensch, die für sich geeignete Methodik (aus griechisch methodik (téchnē) = Kunst des planmäßigen Vorgehens) und Didaktik (von altgriechisch διδάσκειν didáskein‚lehren = „Kunst“ und die „Wissenschaft“ des Lehrens und Lernens) finden muss.

Lernmethoden und Didaktik sollten auf den Erkenntnissen der Lernpsychologie bzw. der Pädagogischen Psychologie aufbauen, um möglichst erfolgreich zu sein.(1) Dies bedeutet, dass effektives Lernen eines längerfristigen systematischen Aufbaus bedarf. Hierzu müssen präzise Lernziele gesetzt und angestrebt sowie die Lernergebnisse durch korrespondierende Lernkontrollen überprüft werden.(2&3)

 

Allein diese kurze Einleitung beschreibt anschaulich die Komplexität des Lernens oder Übens im lernpsychologischen Sinn und behandelt dabei nur einen Bruchteil der Thematik.
In meinen beiden Übungsheften „Technische Grundlagen der Oboe (kurz TGdO)“ habe ich versucht, mich mit den Inhalten des Übens im Bereich der Technik in Form von Tonleiterstudien auseinander zu setzten. Ziel ist der oben bereits erwähnte systematische Aufbau einer soliden Technik. Rückblickend auf mein eigenes Studium muss ich leider feststellen, dass mein persönliches Vorgehen beim Üben deutlich effektiver und zielführender hätte sein können. Drei zentrale Beweggründe haben mich letztendlich dazu veranlasst das Übungsheft TGdO zu schreiben:

 

1.      Wie kann ich mich persönlich als Orchestermusiker möglichst effektiv fit halten?

2.      Was sollte ein Student innerhalb des Studiums in technischer Hinsicht mindestens alles können?

3.      Wie kann ich mich als Laie technisch besser auf einzelne Stücke vorbereiten (z.B. indem ich mich intensiv mit einer bestimmten     Tonart auseinandersetze)?

 

Natürlich kann man die Welt nicht neu erfinden, ganz im Gegenteil – viele in dem Übungsheft verwendete Übungen gibt es schon seit hunderten von Jahren, doch habe ich versucht dieses Heft so zu schreiben, dass es uns OboistInnen in der Sache dient. Das bedeutet im Detail:

 

1.   der Tonumfang ist genau auf die Oboe abgestimmt (meistens bis zum f‘‘‘ – wobei man einzelne Takte auch leicht ausklammern kann, wenn die Lage noch zu hoch ist)

2.     es gibt genügend Platz für private Einzeichnungen

3.     Metronom-Angaben und Griffe sind nicht vorgegeben, sondern für jeden frei wählbar und zum Eintragen

4.     Erklären von einigen Übe-Methoden, auch zum mentalen Üben und zum Üben ohne Instrument

5.     Optisch ansprechendes und haltbares Heft (Fadenbindung & und zusätzlich cellophanierter Einband in der Moll Edition)

 

Dies klingt recht simpel, doch ist in Zeiten wirtschaftlicher Zwänge, unter denen viele Verlage leiden, allein ein großzügiger Platz für private Eintragungen leider bei vielen Notenmaterialien heutzutage nicht mehr gegeben. Auch gibt es keine Tonleiterstudien (für Oboe) in denen alle Übungen in allen Tonarten ausnotiert sind; dies mag zwar nicht jeder für nötig erachten, doch Rückmeldungen verschiedener Hochschul-Professoren und MusikschullehrerInnen haben ergeben, dass es vielen Schülern und Studenten deutlich leichter fällt, eine Übung z.B. mit Quartintervallen in D-Dur zu üben, wenn diese als Notenbild vorliegt. Es genügt nicht, wie so oft vorgegeben, nur die jeweiligen Anfänge einer Übung zu drucken, um auf eine auswendig zu spielende Weiterführung der Übung zu verweisen. Diese verlaufen sich nach kurzer Zeit wieder und der Fortschritt ist marginal.

 

Inhaltlich gliedern sich die Tonleiterstudien wie folgt:

1.      Tonleiter, Grundschema, Variationsmöglichkeiten, Quintumfang, Tonleiter mit Wechselnote

2.      Terzen, repetiert, fließend, mit Wechselnote

3.      Quarten, repetiert, fließend, mit Wechselnote

4.      Staccato

5.      Dreiklänge, Dreiklang – Variationen

 

In der Moll Edition schließt sich noch ein Bereich mit melodischen Molltonleiter Übungen an; die anderen Übungen sind in harmonisch Moll notiert.

 

Die Dur Edition wird abgerundet durch:

diverse Einspielübungen

Übungen für Ansatz und Luftführung

eine Intonationsübung von Ralf–Jörn Köster

eine Klang- und Legato-Übung von Albrecht Mayer.

 

Die Moll Edition beinhaltet weitere Übungen für:
eine kontrollierte und saubere Ansprache (u.a. von Andrea Glaser)

Staccato Übungen von Maurice Bourgue

Dreiklangsübungen von Emanuel Abbühl.

Abgerundet wird dieses Heft durch einen Essay über das Vibrato von Matthias Bäcker.

 

Bislang ist mir kein anderes Übungsheft für Oboisten bekannt, welches so umfangreich, systematisch und „kundenfreundlich“ ist (= viel Platz für private Einzeichnungen und ansprechende Gestaltung) und das mitunter die vielleicht etwas „lästigen“ aber absolut notwendigen Übungen zum Studium der Tonleitern beinhaltet.

Natürlich ließe sich der Umfang der beiden Hefte (88 und 96 Seiten) noch problemlos erweitern, doch denke ich, dass man mit dieser Ansammlung von Übungen (6 Seiten je Tonart) eine wunderbare technische Grundlage hat, auf welcher man nach Belieben aufbauen kann. Auch ist die Anzahl von Übungen gut zu bewältigen, soll dieses Heft ein „ständiger Begleiter“ für viele Jahre sein.

 

Mittlerweile gibt es in der Dur Edition bereits eine zweite Auflage; beide Hefte sind bilingual: deutsch und englisch.

 

 

 

 


    Nachtrag Nr.1

Aufgrund der sehr hohen Nachfrage scheint sich das Übungsheft „Technische Grundlagen der Oboe“ seit seinem Erscheinen im November 2015 bereits jetzt schon zum absoluten Standard Repertoire für Oboisten entwickelt zu haben...

 

Nachtrag Nr.2

Bei der Konzeption dieser Hefte habe ich ganz bewusst die beiden Tonarten mit 7 Vorzeichen nicht berücksichtigt, da ich das Verhältnis von Übeaufwand - Notwendigkeit als sehr gering erachte. Das gilt gleichermaßen für den Tonumfang: natürlich ließe sich auch dieser problemlos bis zum a''' erweitern, aber auch dies ist aufgrund der allgemeinen Oboenliteratur (eine Ausnahme stellt sicherlich die Neue Musik dar) meiner Meinung nach zweitrangig.

   

 

Einzelnachweise:

 

1 .  Hans Aebli: Grundlagen des Lehrens: eine Allgemeine Didaktik auf psychologischer Grundlage. Klett-Cotta, Stuttgart 1993/2003.

 

2 . A. M. Strathmann, K. J. Klauer: Lernverlaufsdiagnostik: Ein Ansatz zur längerfristigen Lernfortschrittsmessung. In: Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie. 42 (2010), S. 111–122.

 

3.  Siegbert A. Warwitz: Lernziele und Lernkontrollen in der Verkehrserziehung. In: Ders.: Verkehrserziehung vom Kinde aus. Wahrnehmen-Spielen-Denken-Handeln. 6. Auflage. Schneider-Verlag, Baltmannsweiler 2009, S. 23 und 26–28 f.

 


www.andreasmendel.de

 

Inhalt des Übungsheftes Technische Grundlagen der Oboe:

Tonleiterstudien für Oboe, Übungsheft für Oboe, Klangübungen für Oboe, Anspracheübungen für Oboe, Intonationsübung, Staccato, Vibratoübung, Übung für Legato & Luftführung

 

The Technical Basics of Oboe Playing:

Scales for the Oboe, Exercises for a clean and controlled response, Staccato, Arpeggios, An essay on Vibrato

 

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